Gutmenschen 2 – Vegetarismus

Ich kenne Menschen, die sich darüber darstellen, wie ökologisch sie leben. Das geschieht dann durch Aussagen wie “In meinem Garten wachsen nur heimische Pflanzen.” Oder andere permaneten Gutmenschentum-Berieselung. Was mich ärgert ist, dass diese Menschen Fleisch essen. Fleischessen ist nicht nur eine der größten Umweltsünden unserer Zeit.


Ich persönlich halte ja Vegetarismus für eine psychische Erkrankung, esse im Alltag aber möglichst kein Fleisch. Krähe aber auch nicht rum, wenn irgendwo Fleisch drin ist, wie zum Beispiel der Speck im Eintopf auf einem Segeltörn. Ich bin also kein Vegetarier, wobei ich neulich las, dass man meine Einstellung als pragmatischen Vegetarismus bezeichnet.
Da ich gerne koche und esse, will ich mich dem Fleischkonsum auch nicht grundsätzlich verschließen und Dinge auch ausprobieren. Abgesehen davon, finde ich es als sehr unhöfflich, wenn ich irgendwo eingeladen werde und es dort Fleisch gibt, das Essen erstmal mit vorwurfsvollen Sätzen wie: “Ich esse doch aber kein Fleisch zu kommentieren.” Das geht gar nicht. Es sei denn man mag den Geschmack nicht (ich esse zum Beispiel niemals rohe Tomaten oder Rote Beete), aber wenn man aus pragmatischen Gründen kein Fleisch isst finde ich das respektlos. Meine Freunde und meine Familie sind doch keine Bediensteten sondern Menschen, die mich liebevoll bekochen. Und mal ganz ehrlich so eine Grillparty mit Soja-Würstchen ist doch auch nix.
Eskurs: Mein Lieblingsnerd, für den ich niemals Fleischkochen würde, hat mir zum Beispiel verschwiegen, dass er keinen Kürbis mag. Da Kürbis nun mal eins meiner Grundnahrungsmittel ist, musste der arme Mensch jahrelang etliche Kürbissuppen, Kürbistaschen und Kürbispuffer über sich ergehen lassen.

Aber kommen wir zurück zu meiner Öko-Gärtnerin. Letzte Woche überlegten wir zu Zwecken der Nahrungsaufnahme Essen zu gehen. Steakhaus wollte die Mehrheit. Ich mag kein Steak. Mochte ich noch nie. Und in diesen Steakhäusen gibt es Viecher aus Massentierhaltung, dass kann ich irgendwie nicht für gutheißen.
Wir debattierten ein wenig.
Ich provozierte ein wenig.
Stellte irgendwann die Frage, ob jemand “Tiere Essen” von Jonathan Safran Foer gelesen hat. Ein Buch in dem es darum geht, wie Tiere zur Ware Fleisch werden.
Meine Ökogärtnerin strahlt: “Ja, ich habe es verschlungen.”
Die Frau muss Sadistin sein. Nach dem Buch, kann man doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Meine Mutter war da pragmatischer. Nach dem sie das Buch zur Hälfte gelesen hatte, gab sie es mir zurück und sagte sie: “Tut mir leid, ich will das nicht lesen, da ich weiter Fleisch essen möchte.” Das ist wenigstens konsequent.

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