Freitag, kurz nach sechs: Das Tröten der Schiffssirenen reißt mich und die Katze aus dem Schlaf. Wenn man in Eimsbüttel Schiffssirenen hört, dann sind die ganz großen Dampfer unterwegs. So wie am letzten Wochenende als die QM2 und die Deutschland (hallo Generation Golf, das ist DAS TRAUMSCHIFF) in Hamburg aufeinander trafen.
Mein persönliches Programm beginnt auch schon sehr früh. Mit Wolfgang-Erich, der zu Besuch ist, habe ich auf einem Windjammer eingecheckt, „Frühstückstörn zur QM2“ – der freut sich.
Als wir am Hafen ankommen stehen noch Tausende am Wasser und schon wieder hören wir Schiffsirenen. Wir sind etwas verwirrt, aber als wir die Silhouette (dieses Wort muss den Rechtschreibreformern entgangen sein, ich hätte es jetzt Siluette geschrieben, aber Duden ist damit nicht einverstanden) der Deutschland sehen ist alles klar. Das nehmen wir jetzt auch noch mit.
Der „Frühstückstörn“ ist recht nett, das Frühstück auch. Das Wetter eher dürftig und das schon seit Tagen.
Nach dem Törn sind wir müde und fahren erstmal nach Hause. Abends müssen wir die Dampfer ja auch wieder verabschieden.
Auch diesmal ist unser Timing exzellent. Kaum sitzen wir bereit, hupt die Deutschland und fährt los. Neben uns ein paar alte Seeleute mit ihren Hunden. Sie riechen alle ein bisschen nach Bier – oder stärkerem.
36 Jahre ist mein Bank-Nachbar zur See gefahren, erfahre ich. Und wenn die großen Schiffe kommen, dann begrüßt er sie. Ja, es sei schon was schönes nach Hamburg rein zu fahren.
Überall in der Welt war er. Mit einem Schiff, wie die Cap San Diego. Aber Hamburg, dass ist was besonders, erzählt er, während ich seinen Hund Betty kraule, Hamburg das ist zu Hause.
Früher da war alles anders. Da standen hier am Hotel Hafen Hamburg die Heuerbuden, hier sind sie alle hingegangen, wenn sie los wollten oder einfach nur die anderen treffen wollten. Wie heute, da treffen sie sich hier immer noch. Nur dass nichts mehr los ist. Lottis Tripperbude war hier auch, erfahre ich. Details erspart er mir allerdings.
Inzwischen ist die Deutschland an den Landesbrücken angekommen. Luftballons steigen zum Himmel und die Nationalhymne im Belcanto einer Frauenstimme ertönt. Das Publikum an der Elbe registriert das. Der Seefahrer sinniert darüber, wo die Luftballons wohl hinfliegen und gibt mir Anweisungen fürs Fotografieren. Wolfgang-Erich schweigt und genießt.
Die Regie der Deutschland tut noch einen oben drauf. Als das Schiff uns Vis-A-Vis ist, spielt es die Traumschiff-Melodie. „Guck mal, da laufen die Tränen“, schnieft der Seefahrer und hält mir seine Wange hin. Ist alles irgendwie kitschig, geht aber wirklich direkt ins Herz.
Kaum ist die Deutschland weg, trötet auch schon die QM2. Der Seefahrer nennt sie liebevoll Merri. Wenn er von ihr spricht meint man, es sei sein Schiff. Irgendwie hat er sie recht lieb.
Ich stelle fest, dass das Schiff zu lang für mein Zoom ist und mache Bilder von der Eskorte. Wer die QM2 noch nie gesehen hat mag das kaum glauben, aber wirklich alles was einen Motor hat ist unterwegs im Hafen. Ein unglaubliches Gewimmel für ein gigantisches Schiff. Alles hupt und trötet. Die Schaulustigen werden nicht enttäuscht. Noch ein kurzes Winken und die QM2 verschwindet am Horizont.
„So jetzt haben wir wieder für zwei Monate Ruhe“, resümieren die Seeleute und gehen zu Rolf – ein Bier trinken.
aus dem August 2006

0 Antworten bis hierher ↓
Bis jetzt noch kein Kommentar ... Bring die Sache ins Rollen, und füll das untere Formular aus.