Ich suche eine Wohnung. Telefoniere mit Maklern, schaue an, sage ab. Spreche mit Finanzberatern, informiere mich über Kredite und quäle meinen Taschenrechner.
In Ottensen eroberte eine charmante aber baufällige 2,5 Zimmer Wohnung mein Herz. Wolfgang Erich reist an, denn ich habe auch noch Geburtstag, und gibt den Fachmann:
„Das isolieren wir.“
„Da nageln wir Holz rüber.“
„Die Wand reißen wir raus.“
WE weiß tatsächlich wovon er spricht und ich bin ihm dankbar.
Nur er hat die Wohnung noch nicht von Innen gesehen. Nur so durchs Fenster.
Ich mache einen Termin mit dem Makler.
Mit dem Bus wollen wir nach Altona reisen. Das wird in der Tat eine Reise, denn WE hat ein frisch operiertes Knie und geht auf Krücken. Ich habe im anderen Knie eine Bänderdehnung und kann nur humpeln.
WE geht vor, weil er noch langsamer ist.
Als ich zehn Minuten nachdem WE das Haus verlassen hat, an der Bushaltestelle ankomme stehen dort fünf Menschen. Es gießt, Autos rasen über die Kielerstraße nur WE ist nicht dort.
Ich stelle mich unter das Dach der Haltestelle, warte und mache mir Sorgen. Vielleicht ist er falsch abgebogen…
Ich durchsuche die Faberstraße -nix
die Rellingerstraße-nix,
laufe den Langenfelder Damm entlang zur Kielerstraße – nix.
Nach einer Stunde im Nieselregen, keine Spur von WE.
Ich rufe den Makler an und sage den Termin ab.
Ich treffe Freunde, die sich umschauen wollen und bin total durchnächst.
Ich gehe zur Polizei-Wache Grundstraße.
„Nein, ein älterer Herr mit Krücken ist hier nicht abgeben worden.“
„Ist vielleicht vor einer Stunde ein Krankenwagen gerufen worden?“
Der Beamte verneint. Er überlegt ob WE vielleicht auf dem Apostelmarkt verloren gegangen ist. WE ist ja nicht blöd und kann einen Markt schon von einer Bushaltestelle unterscheiden.
„Hat Ihr Vater ein Handy?“
„Nein!“
„Ist er sonstwie ähm verwirrt?“
„Bis vor zwei Stunden war er das nicht, er kann nur schlecht laufen.“
Der Beamte schaut mich an, als wolle er sagen, das liegt wohl in der Familie.
Ich verlasse die Wache und WE bleibt verschwunden.
Nach 2,5 Stunden klingelt mein Handy. Es ist WE:
„Mensch, dass ist ja echt blöd hier. In Ottensen gibt es keine Telefonzellen.“
Einmal tiefdurchatmen, aber WE ist noch nicht fertig.
„Ich hab mir die Wohnung noch mal angeschaut. Da musst Du noch mal genau drüber nachdenken, da gibt es nämlich auch nirgends Mülltonnen.“
Der Mann merkt auch alles…
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