Auf den Artikel über Straßenfotografie in der faz bin ich aufmerksam geworden, weil Vivian Maier in der Überschrift als Stadtgängerin bezeichnet wird und die faz eine Renaissance der Straßenfotografie ausruft. Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts könnte das schwierig werden. Denn Menschen auf der Straße einfach zu fotografieren ist verboten, es sei denn es ist eine Straßenszene. Vor ein paar Jahren durfte ich den von mir sehr geschätzten Fotografen Michael Fackelmann bei einem Rundgang durch St. Pauli begleiten bzw. guiden, als er nach den Schauplätzen seines Fotobuches suchte. Beim späteren Astra auf dem Spielbudenplatz resümierte er dann auch, dass so ein Buch wie „Hamburg schwarz-weiß“ gar nicht mehr möglich sei, weil man Menschen heute gar nicht mehr so fotografieren dürfe.
Trotzdem ein Experiment ist es ja wert. Also den ipod eingepackt und raus auf die Straße und zur Renaissance der Straßenfotografie beitragen.
Ich kenne Menschen, die sich darüber darstellen, wie ökologisch sie leben. Das geschieht dann durch Aussagen wie „In meinem Garten wachsen nur heimische Pflanzen.“ Oder andere permaneten Gutmenschentum-Berieselung. Was mich ärgert ist, dass diese Menschen Fleisch essen. Fleischessen ist nicht nur eine der größten Umweltsünden unserer Zeit.
Ich persönlich halte ja Vegetarismus für eine psychische Erkrankung, esse im Alltag aber möglichst kein Fleisch. Krähe aber auch nicht rum, wenn irgendwo Fleisch drin ist, wie zum Beispiel der Speck im Eintopf auf einem Segeltörn. Ich bin also kein Vegetarier, wobei ich neulich las, dass man meine Einstellung als pragmatischen Vegetarismus bezeichnet.
Da ich gerne koche und esse, will ich mich dem Fleischkonsum auch nicht grundsätzlich verschließen und Dinge auch ausprobieren. Abgesehen davon, finde ich es als sehr unhöfflich, wenn ich irgendwo eingeladen werde und es dort Fleisch gibt, das Essen erstmal mit vorwurfsvollen Sätzen wie: „Ich esse doch aber kein Fleisch zu kommentieren.“ Das geht gar nicht. Es sei denn man mag den Geschmack nicht (ich esse zum Beispiel niemals rohe Tomaten oder Rote Beete), aber wenn man aus pragmatischen Gründen kein Fleisch isst finde ich das respektlos. Meine Freunde und meine Familie sind doch keine Bediensteten sondern Menschen, die mich liebevoll bekochen. Und mal ganz ehrlich so eine Grillparty mit Soja-Würstchen ist doch auch nix.
Eskurs: Mein Lieblingsnerd, für den ich niemals Fleischkochen würde, hat mir zum Beispiel verschwiegen, dass er keinen Kürbis mag. Da Kürbis nun mal eins meiner Grundnahrungsmittel ist, musste der arme Mensch jahrelang etliche Kürbissuppen, Kürbistaschen und Kürbispuffer über sich ergehen lassen.
Aber kommen wir zurück zu meiner Öko-Gärtnerin. Letzte Woche überlegten wir zu Zwecken der Nahrungsaufnahme Essen zu gehen. Steakhaus wollte die Mehrheit. Ich mag kein Steak. Mochte ich noch nie. Und in diesen Steakhäusen gibt es Viecher aus Massentierhaltung, dass kann ich irgendwie nicht für gutheißen.
Wir debattierten ein wenig.
Ich provozierte ein wenig.
Stellte irgendwann die Frage, ob jemand „Tiere Essen“ von Jonathan Safran Foer gelesen hat. Ein Buch in dem es darum geht, wie Tiere zur Ware Fleisch werden.
Meine Ökogärtnerin strahlt: „Ja, ich habe es verschlungen.“
Die Frau muss Sadistin sein. Nach dem Buch, kann man doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
Meine Mutter war da pragmatischer. Nach dem sie das Buch zur Hälfte gelesen hatte, gab sie es mir zurück und sagte sie: „Tut mir leid, ich will das nicht lesen, da ich weiter Fleisch essen möchte.“ Das ist wenigstens konsequent.
Wolfgang Erich kann nicht schlafen. Bereits um acht Uhr ist das Frühstück fertig. Er erwartet Gesellschaft. Die bekommt er von mir, maulend.
„Ich kann nicht schlafen.“
Das ist falsch. Denn er ist um neun zu Bett gegangen. Wenn er bis sechs geschlafen hat, sind das immerhin neun Stunden. Außerdem wundere ich mich, darüber dass er bei mir in Hamburg bis 10 zehn Uhr im Tiefschlaf verweilt.
„In Hamburg muss ich Dich doch immer wecken“, stelle ich fest.
„Ja, da kann ich gut schlafen.“ Er runzelt die Stirn.
„Und wieso bei Dir zuhause nicht?“
Wolfgang Erich denkt nach.
„Hier gibt es Wasseradern. Die stören meinen Schlaf.“
Oh weh, es kann einen echt erschüttern, was die New York Times in ihrer Rubrik Readers’ Street Style veröffentlicht: Die Rote Jeans ist wieder da. Mehr als ein Drittel der Fotos zeigten beim Schreiben dieses Artikels Menschen (Frauen) in Roten Jeans. Auch die Vogue hatte die Rote Jeans bereits als Trend für das Frühjahr 2011 angekündigt.
Mir schwante schon Schlimmes als ich neulich einen Menschen aus dem eher pädagogisch orientierten Umfeld in ebendieser Klamotte auf einer Veranstaltung sah, hätte aber nie vermutet, dass dieser Mann ein fashion trendsetter, ein it-boy ist. Ich bin besorgt. Ich hatte keine Hoffnung, dass dieses Kleidungsstück die Laufstege zurück erobert.
Noch haben die H+M Designer die rote Jeans nicht kopiert und in ihre Stores gestellt. Noch verschont uns HeidiKlum mit ihren geklonten Top Models damit. Noch hat No-Go-Mode-Guru Thomas Gottschalk die Rote Jeans nicht wiederentdeckt. Noch ist ist dieses Kleidungsstück New Yorker Streetstyle. Doch der Tag wird kommen, an dem die Rote Jeans auch in der Schanze auftaucht und krumme Schicksenbeine kaschiert und sich über Mode Szene-Deutschland ausbreitet.
Wahlabend in meiner Geburtsstadt. Zwischen Fenchelrisotto und Pfifferlingen nehme ich die Wahlergebnisse wahr und bin entsetzt. Nicht, dass die FDP dahin rieselt, nicht, dass die Künast nicht die erste Regierende wird, nicht das Rot-Rot beendet ist, sondern über den Wahlerfolg der Piraten. Ein Erfolg ohne Seeräuber Jenny. Über Inhalte mag man streiten, aber dass es eine Partei in Berlin im 21. Jahrhundert mit einer Liste mit 15 Männern und einer Frau überhaupt schafft, über 5 Prozent zu kommen. Das ist doch tiefstes Mittelalter. Wir brauchen ein Quote für die Parlamente und keine Männerpiraterie.
MTV dudelte als permanenter Begleiter meines Studentenlebens. Der Fernseher stand unterm Schreibtisch. Die Sendung 120 minutes gehörte zum festen Bestandteil meines Medienkonsums. Als ich „Smells Like Teen Spirit“ das erste Mal hörte/sah wusste ich, dass dieser Song anders ist als alles andere. Das jetzt alles anders ist. Hätte es gern gesimst, getwittert, gefacebooked. Stattdessen schrieb ich einer Freundin eine Postkarte. Das ist jetzt 20 Jahre her.
Am 9. September stehen in St. Pauli die Türen offen. Rund um die Clemens-Schultz-Straße gibt es Einblicke in die Kreative Welt des Stadtteils. Am besten mit den Kurschatten über die die Kreativnacht ziehen.