Vor 10 Jahren starb der Schriftsteller und Drehbuchautor Hans Eppendorfer, der Anfang der 1980er als Stadtteilschreiber auf St. Pauli tätig war.
In seinen „Szenen aus St. Pauli“ schreibt Eppendorfer über seine Nachbarn im Quartier, indem er einerseits scharf beobachtet, ohne zugleich werten oder verurteilen zu wollen, andererseits stets aktiv teilnimmt und Anteil nimmt. So zeigt er, was in der Regel übersehen wird: daß hinter der schäbigsten Hausfassade, hinter der kunstvollsten Rotlichtfassade, hinter noch so zugepuderten oder silikonentstellten Hautfassaden Menschen zu entdecken sind, die denken und fühlen, die verrückt oder normal, krank oder gesund sind, die Berufen nachgehen wie alle anderen auch.
Damit Eppendorfer nicht ganz in Vergessenheit gerät, veranstalten wir eine Kiez-Tour, bei der wir an verschiedenen Orten aus seinen „Szenen“ lesen werden.
Stadtrundgang am 1. November, 14.ooh U-Bahn St. Pauli
Dieser Rundgang dauert etwa 2 Stunden.
Der Rundgang endet beim B-Movie in der Brigittenstraße, wo um 1700 Uhr der Film über Hans Eppendorfer gezeigt wird: „Suche nach Leben“
Ja, ich glaube an das Gute im Menschen. In allen. Doch diese Woche stellte mich auf die Probe.
1. Montag im Büro. Meine Teetasse ist verschwunden. Hatte sie zum Wochenende hin in die Spülmaschine gestellt. Jetzt trinkt jemand anders daraus Kaffee. Positiv: Freitag stand sie im Schrank und ich habe sie wieder an mich genommen.
2. St. Pauli Tour am Dienstag. Drei Herren aus Hessen, ein Herr aus Hamburg, ein Paar aus Münster, noch ein Paar aus Münster, vier Mädels aus Hamburg. Einkehr im Silbersack. Wie immer gehe ich am Ende zum Abschied zu Axel und frage, ob alles bezahlt ist. Ist es immer. Diesmal nicht. Die drei Herren aus Hessen haben drei Bier bezahlt, der Herr aus Hamburg seine Cola, die Paare aus Münster auch, bei den vier Mädels sind nur drei Colas bezahlt, das Bier ist noch offen. Ich gehe raus zu den Gästen, sage, dass noch ein Bier offen ist. Keiner rührt sich. Die Tussi, die das Bier getrunken hat. Auch nicht. Also zahle ich es später.
3. Donnerstag noch ne Tour, wieder Silbersack. Die Gruppenleiter zahlt, für alle. Prima. Dann bestellt jemand noch ein Bier. Axel serviert. Wir wollen gehen. Ich frage den Herrn, ob er das Bier bezahlt hast. Ja hat er. Da ich ihm gegenüber saß hätte ich das sehen müssen. Hab ich aber nicht. Gegencheck bei Axel, der hat kein Geld bekommen und spricht den vermeindlichen Zechpreller an. Das ist geregelt. Wir brechen auf. Ich schichte: Fleecejacke, Barbourjacke und greife nach meinem Schal. Aber der ist weg. Grau, Pashmina, super weich und flauschig. Vor drei Minuten hing er noch am Haken. Ich krieche mit Axel auf dem Boden rum. Er kontrolliert einen Stapel Jacken. Meine Gruppe ist draußen. Ich auch. Traurig, Wütend und ohne Schal.
In der taz online war über eine Studie zu lesen, in der behauptet wird, dass wer viele schwule Freunde auf facebook hat, auch oft selber schwul ist. Genau gesagt, Zitat: „Homosexuell ist, wer in seiner Freundesliste mehr als 1,89 Prozent bekennende schwule Freunde hat.“ 12 meiner 59 Facebook Freunde leben offen schwul. Das ist ein Prozentsatz von ungefähr 20 Prozent – oder? Demnach müsste ich sehr schwul sein. Naja, vielleicht stimmt das ja auch, denn eines habe ich mit meinen schwulen facebook-Freunden tatsächlich gemeinsam: Wir stehen auf Männer.
Wenn in Irland der Herbst kommt, dann stehen in den Kneipen überall Teegläser mit Zitronenscheiben gespickt mit Nelken. Darauf wird Zucker gestreut und Whiskey gegossen. Dann kocht man heißes Wasser, mit dem das Glas aufgefüllt wird. Hot Whiskey heißt das ganze und soll gegen Erkältungen vorbeugen. Der Whiskey tötet die Viren.
In der kreolischen Küche gibt es ein Rezept in dem Schwein in Whiskey gegart wird. Dabei ist das das Schwein in der Regel tot.
Auch wenn ich behaupte, dass Schweine-, Pferde- oder Geflügelgrippen Zeitungsenten sind, hatte ich daran gedacht, mich wegen einer bevorstehenden Indien-Reise impfen zu lassen. Jetzt habe ich aber gelernt, lieber eine Flasche Whiskey mitzunehmen.
Die berühmte Kickerszene aus dem Film Absolute Giganten (1999), gedreht im Keller der Zoe Bar.
Leider kann ich den Film nicht hochladen, aber der älteste Filmbeitrag filmt die feierliche Enthüllung des Bismarckdenkmals. Zu sehen unter: http://www.filmmuseum-hamburg.de/212.html
Live beim Heimatfilmfest am 20. September: Fred Adrett
Abwertungskit (2009) zu sehen beim Kurzfilmabend am 20. September
Schanzenfest
Der Untermieter (2008) zu sehen beim Kurzfilmabend am 20. September
Gehe ich mit alter Jeans, Turnschuhen und vom Wetter kaputter Wachsjacke in einen Hamburger Weinladen, dann kann ich sicher sein, dass das Personal mich aktiv ignoriert.
Gehe ich in Büroklamotten durch das Schanzenviertel oder nach St. Pauli und verbringe so einen Abend, bin ich die Gentrification.
Und die Moral von der Geschicht: Jene, die gentrifizieren und jene, die gentrifiziert werden sind also gar nicht so weit von einander entfernt.
Vorweg sei eines gesagt: Gewalt ist scheiße. Ob hier im Schanzenviertel, in den Wüsten Afrikas, Afghanistans oder sonst wo.
Im Schanzenviertel wird gefeiert. Einmal im Jahr ganz offiziell, sonst natürlich auch. Und weil das hip ist, kommen viele Leute. Aus Hamburg, aus Deutschland und inzwischen auch aus Pinneberg.
Ich feiere schon zum Frühstück mit Kaffee und Croissant und unterhalte mich mit einer älteren Dame aus Norderstedt, die noch nie hier war und sich aber wohl fühlt. Als wir uns später auf dem Flohmarkt wieder treffen winkt sie mir heimisch zu. Macht man ja unter Nachbarn.
Zur nachmittaglichen Tour kommen eine Handvoll Gäste und wir beobachten die Polizei, die zum Schutze Mac Donalds und Tim Mälzers angereist ist und dort flaniert. Die Fast-Food-Amis haben vorgesorgt und vier Zentimeter dicke Glasscheiben eingebaut. Der Koch aus Pinneberg genießt die neue Umgebung und zeigt sich dem Schanzenvolk. Wobei ich bezweifle, das letzteres bei ihm einkehrt. Über uns kreist ein Hubschrauber. Aus allen Ecken tönt Musik. Die gewaltbereiten Autonomen sind nicht sichtbar. Schwarz trägt nur die Polizei.
Gegen halb sieben ist die Tour zu Ende und ich versuche die Feldstraße zu überqueren. Auf dem Heiligengeistfeld hat sich alles was an Polizei motorisiert ist versammelt und setzt sich grad in dem Augenblick in Bewegung, an dem ich an der Ampel ankomme. Es ist kurz vor sieben. Am nächsten Tag kann man im Abendblatt lesen, dass die Situation nach Einbruch der Dunkelheit eskalierte. Wozu brauchten die dann die Wasserwerfer um sieben? Sonnenuntergang war erst um halb zehn.
Bereits vor 1,5 Jahr als das Waffenverbot beschossen wurde, hatte die taz die großartige Idee St. Pauli zu einer Art Disney-Land weiterzuentwickeln. Heute spricht mir taz- Autor Kai von Appen unter zu Hilfenahme des Innensenators zum Glasflaschen-Verbot aus der Seele: Das was ich schon lange vermute und auf meinen Führungen ungeniert kundtue, es geht nicht um die Sicherheit, sondern um die Begünstigung der Gastronomen mit teuerer Aussengastronomie. Dazu Innensenator Alhaus in der taz: „Ausgeklammert aus den Maßnahmen bleibt auch die Außengastronomie, so dass Ahlhaus zufolge „das gepflegte Glas Bier oder ein Gläschen Wein“ möglich blieben. „Wir wollen die Glasflasche aus dem Verkehr ziehen“, so Ahlhaus, „nicht den Alkohol.“
Fazit: Das Astra, das ich in der Esso-Tanke oder im Kiosk erwerbe ist böse. Das Becks Gold, dass ich für 3,50 in der Aussengastronomier erwerbe ist gut. Becksflaschen zu Pflugscharen!
Das war ein toller Gegenentwurf zum Ballermann-Konzept der Reeperbahn: Die GAL Hamburg und Vion zeigten gestern Abend anlässlich des Internationalen Tags der Umwelt um fünf vor zwölf den Film „Home“ des Fotografen Yann Arthus Bertrand auf dem Spielbudenplatz.
Grüne Plakate, grüne Fähnchen, selbst die Litfaßsäule ist grün. Es ist Wahlkampf in Europa. Ein paar unverfrorene finden sich zusammen um auf einer der Bühnen am Spielbudenplatz 90 Minuten lang wunderschöne Luftaufnahmen über die Zerstörung der Erde anzuschauen. In Hamburg herrscht die Schafskälte. Liegestühle, Palmen, Strandmöbel, doch man muss sich zusammenkuscheln an diesem Abend. Vom Klimawandel ist nichts zu spüren in dieser Nacht.
Ein paar Meter weiter tanzen Frauen über fünfzig zu deutschen Schlagern. Ihnen ist die Zerstörung der Erde heute egal. Morgen werden sie mit dem Zeitwagen zum Einkaufen fahren. Immer mehr Passanten bleiben stehen. Ein Polizeiwagen der Davidwache hält. Autokino. Um uns herum feiert der Kiez, als ob kein morgen mehr gibt. Fünf vor zwölf ist längst vorbei.